Lilly & Pauline schauen fern. (Teil 5)


Ich beschloss für den ersten Moment erst mal nichts zu tun. Nur keine falsch verstandene Reaktion zeigen, dachte ich für mich und drehte mich um. Ich entfernte mich wenige Meter vom Schauplatz des Grauens und setzte mich an das an den Boden reichende Wohnzimmerfenster. Mit meinem unübertrefflichen starrem Blick schaute ich gebannt auf die Terrasse. Jaaa, das beherrsche ich! Wenn mir was nicht passt, soll es gleich jeder mitbekommen.
“Pauline, freust du dich denn nicht?“ rief meine Dosenöffnerin in meine Richtung. Ich tat so, als verstehe ich kein Wort. Regungslos blieb ich sitzen. “Oh Oh,“ sagte der Kloreiniger in einem unheilvollen Ton, “ich glaube, da ist jemand eifersüchtig!“. Eifersüchtig? Diesen Begriff kannte ich bis dato noch nicht, aber er gefiel mir. Heute sollte der Tag sein, an dem ich Eifersüchtig sein wollte. Ich dachte darüber so intensiv nach, dass ich aus Versehen vor Freude zwei, drei Schläge mit meinem Schwanz auf den Boden machte. Ich erschrak. Irgendwas spürte ich an meinem Hintern. Ich drehte mich um und staunte. Da saß doch tatsächlich dieses kleine Kitten und schnüffelte an meinem Allerwertesten. In diesem Moment beschloss ich, den Status der Entrüstung um eine Stufe zu erhöhen. Ich zog den Schwanz ein, legte meine Ohren an, zog ein wenig meinen Kopf nach hinten und... fauchte, was das Zeug hielt. Lilly starrte mich mit ihren großen blauen Augen an. Einen Augenblick später sprang ich über Lilly hinweg und rannte die Treppe nach oben weg.
Ich lief ins Schlafzimmer und kletterte umständlich auf das Bett. “Die zuckte ja noch nicht mal“ dachte ich für mich, während ich es mir in einer Mulde zwischen Kopfkissen und Zudecke gemütlich machte. “Mein Spielzeug, mein Schlafkissen, mein Kletterturm, mein Fressen.. meine Freiheiten! Alles müsste ich mit diesem Fellkörper teilen.“ schoss es mit durch meinen Kopf. “Schluss mit Blick-Taktik. Ab sofort muss die arme Pauline alles erbitten und erbetteln.“ Mein Selbstmitleid war auf dem Höhepunkt. Erschöpft schloss ich die Augen und schlief ein.

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